Kunden-Interview

Größtmögliches Leistungsspektrum

Hanack und Partner ist mit über 80 Mitarbeitern eines der größten Vermessungsbüros in Norddeutschland. Namhafte Großprojekte wie die Elbphilharmonie, der Container-Terminal Altenwerder und die HafenCity Hamburg zählen zu den Referenzen.


Herr Grabau, Sie haben sich vor nunmehr 7 Jahren für rmDATA-Software zur geodätischen Berechnung entschieden. Was war der Grund und was überzeugte Sie von rmGEO und rmNETZ?
Da unsere hauseigene, selbstprogrammierte Lösung in die Jahre gekommen und der verantwortliche Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen war, suchten wir nach einer geeigneten, neuen Vermessungssoftware. rmGEO/rmNETZ sahen wir uns als Alternative näher an, wie auch andere Produkte. Schließlich überzeugten uns die übersichtliche Benutzeroberfläche und das einfache Einlesen der Leica-Datenbanken. Auch der reibungslose Datenfluss zu den AutoCAD-Produkten, die wir im Haus nutzen, ist für uns ein großer Vorteil.

Was sind typische und untypische Anwendungen der Berechnungssoftware in Ihrem Büro?
Als typische Anwendungen würde ich das Vor- und Nachbereiten von Absteckungen sowie das Erstellen von Lageplänen bezeichnen, aber auch die codierte Vermessung ist bei uns gang und gäbe. Jeder Lageplan wird halbautomatisiert auf Basis katalogisierter Elemente ausgegeben. Damit ersparen wir uns ein grafisches Feldbuch und in Summe viel Zeit.
Wenn es komplex und dreidimensional wird, dann kann rmGEO bei uns so richtig seine Stärken ausspielen. Nicht alltägliche Aufgaben sind zum Beispiel Messungen im dreidimensionalen Raum. So müssen z. B. Ankerstangen von Spundwänden regelmäßig beim Einbringen ins Erdreich überprüft werden. Hierzu wurde für unser Büro von rmDATA ein spezieller Soll-/Ist-Vergleich von Raumachsen programmiert, um diese vor Ort einrichten zu können.

Außerdem nutzen wir rmNETZ für die Netzausgleichung. Diese Software gehört für uns zum Standardrepertoire bei der Einrichtung von Baustellennetzen.

 

Unser Entwicklungsteam hat zahlreiche Wünsche Ihres Büros umgesetzt. Was sind weitere spezifische Anforderungen?
Neben den Raumachsen berechnen wir auch Kreise mit dreidimensionalem Bezug, hier ist rmGEO sehr gut.

Die Anforderungen der Ebenheitstoleranzen nach DIN 18202 wurden ebenso umgesetzt wie spezielle Transformationen, eine eigene Hanack-Schnittstelle oder eine Funktion für Mehrfachmessungen. Außerdem ist die Standverwaltung in rmGEO oder, wie wir sagen würden, die Verwaltung verschiedener Lagestatus ein großer Vorteil.

Ihr Leistungsspektrum umfasst neben der Kataster- und Ingenieurvermessung die 3D Objekt- und Gebäudebestandserfassung sowie die Bauvermessung. Was sind Alleinstellungsmerkmale von Hanack und Partner?
Eine Besonderheit unseres Büros ist wahrscheinlich, dass wir mit über 80 Mitarbeitern das größtmögliche Leistungsspektrum in der Vermessung überhaupt abdecken. Ein Spezialgebiet ist sicherlich die Schiffsvermessung, wo allein 7 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dort setzen wir Laserscanner und Lasertracker ein und bei der Auswertung gekrümmter Flächen bedienen wir sicherlich einen Nischenbereich.


Im Hamburger Hafen gibt es an den Terminals viele Kranbahnanlagen. Zur Überwachung von Deformationen haben wir ein voll automatisiertes System zur Kranbahnvermessung entwickelt, das unter laufendem Betrieb sehr schnell hoch präzise Ergebnisse liefern kann.

Sie haben bei der Verwirklichung zahlreicher Großprojekte in Hamburg mitgewirkt. Können Sie uns einige Leuchtturmprojekte nennen?
Der Hamburger Hafen ist ständig im Wandel. Wir waren beim Neubau des Container-Terminals Altenwerder mit den Vermessungsarbeiten betraut. Er ist einer der weltweit modernsten Terminals und wird vollautomatisch betrieben. Führerlose Fahrzeuge finden per Funk ihren Weg zum Bestimmungsort und transportieren die Container innerhalb des Areals. Ein Transponder-Netzwerk aus etwa 10.000 im Boden eingelassenen Punkten garantiert den reibungslosen Ablauf. Diese Transponder müssen zum einen dauerhaft überwacht und zum anderen jährlich bei Belagsarbeiten neu eingemessen werden.


Das Projekt Flughafenerneuerung betreuen wir inzwischen schon seit über 15 Jahren. Der Neubau der Terminals, die U-Bahn-Anbindung sowie die Neustrukturierung der Verkehrsanbindung hat ein riesiges Spektrum von Vermessungsleistungen erfordert und dies alles bei laufendem Betrieb. Zurzeit sind wir mit der komplexen 3D-Erfassung der Gepäckförderanlage beschäftigt, die erneuert werden soll.

Kraftwerk Moorburg

Der Neubau des Kohlekraftwerks Moorburg (Bild oben) hat die letzten zehn Jahre eine permanente Präsenz auf der Baustelle erfordert. Der Bau der langen Spundwand, des besonderen Hybridkühlturms, der zwei riesigen Kohlenkreislager mit ihren außergewöhnlichen Dachkonstruktionen sowie der Turbinen hat in vielerlei Hinsicht höchste geodätische Ansprüche erfordert.


Bei der Errichtung der Elbphilharmonie (Bild oben) haben wir die geodätische Bauüberwachung wahrgenommen. Dabei konnten wir insbesondere im sehr zerstrittenen Spannungsfeld zwischen Bauherrn, Baufirma und Architekten viele Erfahrungen sammeln.

Ein besonderes architektonisches Highlight der letzten zwei Jahre war die Bauvermessung am Grandhotel „The Fontenay“ (links im Bild). Die äußerst komplexe Geometrie des Baukörpers (Kleeblatt), bestehend aus Kreissegmenten und zahlreichen radialen Achssystemen, stellte insbesondere im Fassaden- und Innenausbau sehr besondere Anforderungen an die vermessungstechnische Betreuung.


Worin sehen Sie künftig Entwicklungspotentiale in der Vermessung und wohin gehen Ihrer Meinung nach die Trends in der Vermessung?
Ich glaube, dass sich die Technologie der Sensoren noch stark weiterentwickeln wird. Laserscanning wird auf einer breiten Basis finanzierbar. Generell wird der Beruf des Vermessungsingenieurs stetig komplexer: Wir sind zunehmend mit Spezialanforderungen konfrontiert, begeben uns in Nischenbereiche und arbeiten mehr als je zuvor im dreidimensionalen Raum. Dafür setzen wir viel mehr Software ein als noch vor 10 Jahren und „hauseigene Software-Lösungen“ reichen nicht mehr aus.


Spannend bleibt auch die Weiterentwicklung in der mobilen Datenerfassung. Hier wird es für uns Geodäten bestimmt noch große Veränderungen geben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Susanne Friedl-Steiner.

 

Gerd Grabau

Geschäftsführer von Hanack und Partner, Hamburg

 

 

Bilder: © Hanack und Partner, wikipedia

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